Hexenverfolgung in Schwarzenholz
Zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert herrschte die sog. "Kleine Eiszeit".  Die  Zeiträume  von  1570
bis 1630 und von 1675 bis 1715 waren besonders kalte Zeitabschnitte. Die "Kleine Eiszeit" zeichnete
sich  durch  kühle,    regenreiche   Sommer   und   kalte,  schneereiche   Winter  aus.  Die  Klimaver-
schlechterung hatte enorme ökologische Auswirkungen durch Missernten, Viehsterben,  Hungersnöte
und Epidemien. 
Für die Missernten wurden gesellschaftliche Minderheiten und  Randgruppen  verantwortlich  gemacht.
In den sinkenden Erträgen sah man oft eine Folge  von  schwarzer  Magie. Typische Fälle  waren  die
"Gewitterhexen",   denen  man   Gewitter  und  die  daraus resultierende  schlechte  Ernte  anlastete.
"Kräuterweiblein"  und  "Braucher"  (Volksheiler)  wurden nicht als Hexen verfolgt,  sie  waren  auf der
Seite  der  Verfolger. In  die  Zeit  der  kleinen Eiszeit fallen sowohl  die  großen  Wellen  der  Hexen-
verbrennungen und die gehäufte Verfolgung von sozialen Minderheiten. 
Die Beschuldigten wurden verhört und gefoltert bis sie ihre angeblichen Taten gestanden hatten.Dann 
wurden   sie  ihren   Richtern   vorgeführt.  Diese  Richter  waren  keine  anonymen  und  ortsfremden
Inquisitoren,  sondern Laienschöffen und Laienrichter des örtlichen Schöffengerichtes, die auch sonst 
die Rechtsprechung im Ort ausübten.(Die Inquisition ließ in erster Linie "Ketzer", also Menschen, die 
in Glaubensfragen von der kirchlichen Lehre abwichen, verfolgen, foltern und töten.)
Die  Ankläger,  Richter  und  Urteilsfinder  in  den  Hexenprozessen waren Männer des Ortes, die ihre 
eigenen Nachbarn, Freunde und manchmal sogar Verwandten auf den Scheiterhaufen schickten. 
Durch die Möglichkeit der freien Denunziation  konnten  viele böse Rivalitäten unter den Menschen ein 
übles Ende nehmen. Sicher fanden so viele Unschuldige den Tod.

Weitere Informationen zum Thema unter:  http://www.anton-praetorius.de/opfer/orte.htm

 
   Die    verurteilten    Hexen  und   Hexer 
   wurden    selten     lebend    verbrannt, 
   sondern   der  Scharfrichter erdrosselte 
   sie vor der  Verbrennung. 
   Im  Trierer Land fand die Verbrennung 
   oft in einer Strohhütte statt.  Dies  hatte 
   den  "Vorteil",   dass  die  Bevölkerung 
   ( auch    Kinder )   die    während    der 
   Hinrichtung  zugegen  war,  nicht  vom 
   bösen Blick der Hexe getroffen werden 
   konnten.

Im Buch " Des Klugen Beamten auserlesener Criminal-Prozeß" von 1766 wird der Ablauf 
einer solchen Hinrichtung beschrieben. 
  Das Verbrennen auf dem Scheiterhaufen
  Mit dem  Verbrennen auf dem Scheiterhaufen wird
  also verfahren:  Erstlich  wird eine  eichene  Säule
  gesetzet,  welche  ohngefehr  anderthalb  Ellen  in
  die  Erde gegraben,  und ohngefehr vier bis   fünfs-
  halbe Ellen hoch über  der  Erden  herausgelassen.
  Diese  Säule  wird  nebst  dem  hierzu benöthigten
  Holtze  an  manchen  Orten   von  denen  Gerichts-
  Unterthanen     herbeygeführet,   und   unbehauen,
  oder   unbeschlagen   eingesetzet.   An    manchen
  Orten   aber   setzen   selbige   des   Scharfrichters
  Knechte ein, und empfangen davon ihre Gebühren. 
  Um  diese  Säule  nun  wird   eine  Hütte   gebauet
  worzu ohngefehr zehen Klafter trocken Holtz, auch
  wol   einige  Reißbünde,  drey  Schock   Stroh, ein
  Stein   hart   Pech,   und    ein   Pfund    gezogener
  Schwefel genommen. Darauf wird  der  Delinquent
  mit drey Ketten an  die Säule   angemachet,  deren
  eine um  den Hals, die  andere um  den  Leib,  und
  die dritte um die Beine  gehet.  Diese drey Ketten
werden  mit  drey  Hacken,  vermittelst  einer  Art,  welche  nebst   Hacken  und  Ketten  das 
Schmiede-Handwerck darzu verfertigen hat, an die Säule an- und einschlagen. Endlich wird 
darauf der  Scheiter-Haufen  von denen  Knechten  angestecket,  und  der  Cörper zu  Asche 
verbrennet, auch solange Holtz durch des Scharfrichters  Knechte  hinzugeworfen,  bis  man 
weis  und  sicher, daß  der  Cörper gäntzlich  verbrannt ist.  Die  Asche bleibet insgesamt an 
demselben  Orte  liegen. Es  müssen  auch  einige,  etwann drey  Feuer-Hacken, nebst einer 
grossen Feuer-Gabel,  so  man  zum Zurückschieben brauchet, darzu verfertiget werden, um 
das  Feuer  von der  Säule anzuziehen,  damit sie nicht verbrenne.  Item, man muß ein groß
Faß voll Wasser dabey  stehen haben,  die Säule  damit abzukühlen  und  anzulöschen. Und 
damit auch der Delinquent desto eher vom Leben abkomme, und die Gluth des  Feuers  und 
dessen Quaäl nicht so sehr empfinde,  wird ihm  zuweilen  zu  Abkürtzung des  Lebens  eine
subtile Leine,  gleich  einer  solchen, womit  einer stranguliret wird, um  dem  Hals  geleget; 
wenn er nun die Gluth zu fühlen anfänget , und  sich mit  dem Halse wenden  will, wird  ihm 
dadurch die Luft  sogleich  gedämpfet,  worauf  er  alsobald des  Todes  ist.  Dieses  ist  eine 
besondere Gnade, so  von der  Landes-Obrigkeit  specialiter erlangt,  oder anbefohlen  seyn 
muß, sonsten geschiehet dergleichen nicht. Es geschiehet auch wol , daß dem Delinquenten 
ein Säcklein mit Schieß-Pulver an den Hals gehangen wird, damit er hiervon gleich getödtet 
werde,  und  das  Feuer  nicht  empfinde,  welches  doch  selten  seinen  Effect  hat, sondern 
gemeiniglich vergeblich ist.
Das  Strangulieren vor  dem Verbrennen wird  hier  als  "besondere  Gnade"  beschrieben.
Der wahre Hintergrund war aber die Angst vor etwaigen Flüchen der Verurteilten.
In  dem  Buch  "Tractat  von  Bekanntnuß der Zauberer unnd Hexen"  von 1590 findet  man 
folgende Erklärung dazu:
Diese ding unangesehen / erhält heut der gemeine Brauch / daß sie mit dem Strick
getödtet werden / und nachmals verbrendt / die Gefahr zu vermeiden / damit nicht der 
langsam Todt / von wegen grossen schmerzens / den Mißthätigen oder zu Gotteslästerung / 
oder zur Verzweiffelung ziehe. Derhalben ist es bey uns Christen in brauch kommen / erstlich 
zu würgen / und nachmals zu brennen: Es sey dann / daß in einem fall / von wegen 
sonderlicher Umbständt / die grausamkeit des Lasters ein anderes erfordere.


Für die Zeit um 1611 sind 59 Namen von Verurteilten und Denunzierten überliefert.

Nach den Originalakten in St.A. 92/426 wurden im Hochgericht  Schwarzenholz  als  Hexen 
hingerichtet bzw. angeschuldigt:
Lfd.Nr. Name Ort Bemerkung
Jahr
01 Hans Heinrich Odil Labach verbrannt  
02 Barbara Odil, Ehefrau geb. Becker Labach verbrannt
1611
03 Katharina Bruch, Ehefrau Labach verbrannt  
04 Meyer Heinrich Labach verbrannt  
05 Strassen Peter Labach verbrannt
v. 1611
06 Scherer Elsa, Hausfrau Obersalbach verbrannt
1612
07 Heppen Katharina Obersalbach verbrannt  
08 German Gertrud, Ehefrau Reisweiler verbrannt  
09

Gertraudt, die Frau des"Waldfursters"

Reisweiler verbrannt  
10 Luden Kath. Eidenborn verbrannt  
11 Ziriak (Cilliakus) (Zilliakel) Körprich verbrannt
1602
12 "die alt Kremers" Körprich verbrannt  
13 Heinsen Michel Piesbach verbrannt  
14 Esch Peter Falscheid verbrannt  
15 Conradt Lena, Hausfrau Schwarzenholz verbrannt  
16 Bruchs Canzem Eva, Hausfr. Schwarzenholz verbrannt  
17

Der Rentmeister von Saarwellingen "der von Berus dahin gekommen ist"

Saarwellingen verbrannt (?)
1618 ?
18 Strassen Peters, Hausfrau Saarwellingen verbrannt
v.1611
19 Gertrud die "frenkers" Saarwellingen verbrannt  
20 Gerhardt, der "pfeiffer" Saarwellingen verbrannt  
21 Clesgen, Hausfrau Körprich verbrannt (?)  
22 Gertrud, die "Schäffers" Labach verbrannt (?)  
23

Engel, die "junge Schwetzers"

Labach verbrannt (?)  
24 Schmitt Matheisen, Hausfrau Schwarzenholz verbrannt (?)  
25 Sunnen Peters, Hausfrau "die (bei den Hexentänzen) ihr Fähnrich gewesen; sie hatten ein blau fennelein gehabt" Falscheid verbrannt  
26

Alt Peter, "der ihr Oberster gewesen"

Reisweiler verbrannt  
27

Schneider Greth, die Schwiegermutter des Hoff Barthel

Schwarzenholz angeklagt  
28
Gönnen Mertes, Hausfrau oder
Connen Matthias, Hausfrau
Schwarzenholz denunziert*'  
29 Theobald Johann ( Ankläger im Prozess Odil ) Schwarzenholz denunziert*'  
30
Katharina Hoff  Wtw. (Mutter des Bartel Hoff)
Schwarzenholz war angeklagt,
kam jedoch frei
 
31 Hoff Barthel (Bartholomäus Hoff) Schwarzenholz gefoltert, blieb
standhaft und
kam frei
1611
32 Summa Schuhmachers Wwe. Schwarzenholz denunziert  
33 Klein Jacobs, Hausfrau Schwarzenholz denunziert  
34 Knellen Peters, Hausfrau (Katharina Knellen ? ) Schwarzenholz verbrannt
1611
35 Meyer Cuntzen, Tochter Maria ( Maria ist die Tochter des Anklägers und Gerichtsschöffen Conrad Mayer ) Schwarzenholz verbrannt
1611
36 Beckers Keth Labach denunziert  
37 Hans Oßwald Labach denunziert  
38 dessen Ehefrau Eva Labach denunziert  
39 Becker Eva, Hausfrau Saarwellingen denunziert  
40 Hafners, Hausfrau Saarwellingen denunziert  
41 Engelhardt, Wtw. Saarwellingen denunziert  
42 Thomaßen, Hausfrau Saarwellingen denunziert  
43 die "Bießers" (?) denunziert  
44 Margret Krandt, Hausfrau (?) denunziert  
45 deren Tochter Eva (?) denunziert  
46 Thiel Oster Reisweiler denunziert  
47 Wusten Ante Reisweiler denunziert  
48 dessen Ehefrau Anne Reisweiler denunziert  
49 Mayer Hans, Hausfrau Reisweiler denunziert  
50 Gertrud Reisweiler denunziert  
51 Groß Maria, Hausfrau Reisweiler denunziert  
52 Kiefer Margret oder Keuffer Obersalbach denunziert  
53 Meyer Barbara, Wtw. ( Barbara Mayer ist die Mutter des Anklägers und Gerichtsschöffen Conrad Mayer ) Obersalbach denunziert  
54 Linnen Angelika Hülzweiler denunziert  
55 Gertrud Franzen, Hausfrau Hülzweiler denunziert  
56 Laucas Körprich denunziert  
57 dessen Ehefrau Körprich denunziert  
58 Der Meyer Nalbach denunziert  
59 dessen Ehefrau Nalbach denunziert